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Sieger-Typen (.357Mag. / .44Mag.)
Die "Gebrauchsrevolver"-Disziplin macht die .357 und .44 Magnum auch
im DSB salonfähig. VISIER stellt die Waffen und Laborierungen der Top-Schützen
vor.
Von Hamza Malalla, Hartmut Mrosek und Robert Riegel
Eigentlich gibt es Großkaliber-Disziplinen für Kurzwaffen beim Deutschen
Schützenbund nicht erst seit gestern. Aber kaum ein Schütze wollte
im Wettkampf mit einem 357er Colt Python oder Smith & Wesson M 29 gegen
eine Walther GSP in .32 S & W antreten. Doch Anfang der 1990er Jahre schaute
der DSB bei den benachbarten Großkaliber-Verbänden über den
Zaun. Als Folge schuf der viertgrößte Sportverband Deutschlands vier
Wertungsklassen für "Gebrauchswaffen", zwei davon für Revolver
der Kaliber .357 und .44 Magnum.
Mittlerweile sind diese neuen Disziplinen den Kinderschuhen entwachsen, und eine Gruppe von Top-Schützen hat sich herauskristallisiert. Um ihren inzwischen gewonnenen Erfahrungsschatz einem breiten Publikum zu vermitteln, fragte VISIER bei der Deutschen Meisterschaft 2000 in München nach: Was benutzen die Spitzenleute an Waffen, Munition und Zubehör? Gilt es, besondere Tricks und Kniffe zu beachten? Weil die Befragten auskunftsfreudig eine enorme Fülle an Material lieferten, splittet sich der Artikel in zwei Teile im ersten geht es um die Revolver, die Pistolen folgen im Januar-Heft P 2000.
Die Wahl der Waffen:
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Neun von elf DM-Finalisten setzten auf Smith & Wesson. Insgesamt finden sich bei der "Deutschen" nur wenige Revolver, die nicht in Massachusetts entstanden. Zwar sieht man alljährlich hier und da den einen oder anderen Colt Python oder Korth, aber da handelt es sich wie auch bei Ruger und Taurus auf der DM nur um Randerscheinungen.
In der Wertungsklasse .357 Magnum dominierten die Modelle M 586 (brüniert) respektive M 686 Distinguished Combat Magnum (Stainless Steel) mit mittelschwerem L-Rahmen. Nur Walter Kroh entschied sich für einen MR 73 der französischen Manurhin-Werke: "Anders als bei einem Smith & Wesson ist da der Auslösepunkt für Double Action und Single Action gleich." Zur Wertungsklasse .44 Magnum: Auch hier mischte S & W kräftig mit: Die Plätze zwei bis fünf belegten die N-Rahmen-Modelle M 29 und M 629.
Keine Regel ohne Ausnahme: Frank Reiche, Gewinner in .44 Magnum, tanzte mit
seiner Waffe völlig aus der Reihe. Seine Wahl fiel auf einen Freedom Arms
93 Premier Grade, im Prinzip ein Magnum-Peacemaker der Luxusklasse. Nach Art
des Colt M 1873 SAA fehlen den Freedom Arms-Modellen Dinge, die man normalerweise
bei jedem modernen Sportrevolver findet, nämlich Spannabzug und ausschwenkbare
Trommel. Die Walze faßt beim FA ohnehin nur fünf statt der üblichen
sechs Patronen. Und noch ein Unterschied: Wählte die gesamte Topriege Waffen
mit Lauflängen zwischen 5,5 und 6,5 Zoll, begnügte sich Reiche mit
einem kurzen 4 3/4"-Rohr. "Freedom Frank" zu seinem Revolver:
"Ich hatte mir extra für DSB-Gebrauchsrevolver auch einen 44er von
Smith & Wesson zugelegt. Der schoß theoretisch zwar genauso gut, aber
aus der Hand konnte ich das Präzisionspotential des Freedom Arms einfach
besser umsetzen."
Tuning:
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In Disziplinen wie 1500 oder beim Bianchi Cup verwendet die Mehrheit der Top-Schützen
umfangreich überarbeitete Double-Action-Revolver, die schnell 3000 bis
6000 Mark kosten können. Nicht so bei DSB-Gebrauchsrevolver. Im Finale
fanden sich meist nur geringfügig überarbeitete oder sogar völlig
unveränderte Serienwaffen. Und die müssen nicht einmal flammneu sein:
Alfred Buhlert reaktivierte für die .357 Magnum-Klasse einen 20 Jahre alten
S & W M 27 mit 8 3/8"-Lauf: "Den hatte ich extra fürs Silhouetten-Schießen
gekauft und das auch ungefähr dreimal gemacht. Danach verschwand er erstmal
für einige Jahre im Waffenschrank." Für die neue DSB-Disziplin
aber lag die Lauflänge des alten Kämpen über dem Limit. Zwei,
drei Sägeblätter später war der M 27 wieder im Rennen, diesmal
mit regelkonformem 5,5"-Rohr. Ein Laufgewicht verschaffte dem dünnen,
konisch zulaufenden Lauf des 357ers die nötige Vorderlastigkeit, die Holzgriffschalen
ersetzte Buhlert durch einen Gummigriff von Jacques Trausch.
Mit komplett überarbeiteten S & W's dagegen zogen Manfred Gommeringer und Swen Janssen ins Finale. Gommeringers M 629 stammte aus der Werkstatt des Dortmunder Tuners Andreas Nehme. Neben einem Abzugstuning zeichnet sich die Waffe vor allem durch Nehmes "IBS-Wechselsystem" aus. Dabei ersetzt ein abschraubbares Matchrohr den Originallauf. Andy Nehme verwendet für Revolver gern Rohre mit Ferlacher Innenprofil, weil er sie für stabiler und langlebiger hält als andere Matchläufe. Ein abnehmbarer Laufmantel dient als Montagebasis für eine Aristocrat-Visierschiene. Zum Demontieren von Lauf und Mantel genügt ein spezieller Schlüssel für die Mündungsbuchse. In einer Minute lassen sich die Lauflänge variieren oder der Laufmantel austauschen. Wer sich den großen N-Rahmen mit IBS nachrüsten läßt, kann mit Hilfe einer zweiten Trommel auch zwischen den Kalibern .357 und .44 Magnum hin und her wechseln.
Swen Janssens M 686 wurde von der (inzwischen nicht mehr vorhandenen) Firma KPS auf Wettkampf getrimmt. Die Waffe erhielt einen überarbeiteten Abzug und einen schweren Polygonlauf. Ähnlich wie Andy Nehmes IBS-Laufmantel konzipierte auch KPS den bulligen, breiten Matchlauf als Grundlage für die Montage einer Aristocrat-Visierschiene.
Viel zu überarbeiten gibt es dagegen bei einem Manurhin MR 73 nicht. Der 357er kostet zwar über 2500 Mark, dafür bietet der gallische Sechsschüsser aber auch ab Werk einen Lauf in höchster Qualität. Dazu kommen noch ein leichtgängiger, mehrfach verstellbarer Single- und Double-Action-Abzug sowie ein wettkampftaugliches Mikrometer-Visier.
Ähnlich wenig Tuningkosten entstanden auch bei dem Freedom Arms. Frank Reiche ersetzte die kompakte, verstellbare Visierung seines 44ers durch eine Matchkimme von BoMar mit hohem, hinterschnittenen Scheibenkorn. Die Magnum-Peacemaker aus Wyoming bieten von Haus aus eh perfekte Verarbeitung und Schußleistung und das müssen sie auch, immerhin liegt der Grundpreis eines Premier Grade bei über 4500 Mark.
Vorspannen oder nicht?
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Ob man in den 20-Sekunden-Serien der DSB-Wettkämpfe per Double- oder Single-Action
die meisten Ringe holt, daran schieden sich bei den Befragten die Geister. Denn
der Schütze darf bereits in den Voranschlag gehen, bevor sich die Scheiben
zu ihm drehen. Dadurch bleiben ihm für jeden seiner fünf Wertungsschüsse
volle vier Sekunden. Das reicht sogar bei der rückstoßstarken .44
Magnum, um den Hahn jedesmal von Hand zu spannen und den Schuß im Single
Action-Modus abzugeben. Genau das tat dann auch gut zwei Drittel der Finalteilnehmer,
die anderen aber schossen Double Action.
An den Ergebnissen läßt sich jedoch nicht erkennen, daß eine der beiden Schießtechniken mehr Vorteile bieten würde. Und keiner der DM-Finalisten "schwört" auf seine Technik. Sie schießen so, wie sie es in anderen Disziplinen gelernt haben. Die Single-Action-Fraktion kam meist über DSB-Disziplinen wie Sport- und Standardpistole zu den Gebrauchsrevolvern. Die DA-Anhänger feuern die schnellen Serien über den Spannabzug, weil sie in Wettkämpfen wie Bianchi Cup, 1500 oder dem 25-Meter-Programm des BDS auf den Geschwindigkeitsvorteil angewiesen sind.
Single-Action-Schütze Alfred Buhlert empfiehlt Neueinsteigern, von Anfang an das Schießen über den Spannabzug zu trainieren: "Beim Spannen von Hand besteht immer die Gefahr, daß der Daumen vom Hahnsporn abrutscht und die Trommel trotzdem eine Kammer weiterdreht." Beim DA-Schießen kann man außerdem die Waffe mit beiden Händen fest packen, ohne wegen des Hahnspannens jedesmal umgreifen zu müssen. Dadurch bleibt mehr Zeit zum Zielen. Hier müssen die SA-Fans es sich angewöhnen, für die magischen 20 Sekunden ein bißchen mehr Gas zu geben. Der Nachteil: Das Schießen mit Spannabzug muß eigens geübt werden. Und man braucht einen leichteren Abzugswiderstand. Denn mit den bei den Standardwaffen üblicherweise zu bewältigenden fünf bis sechs Kilo läßt sich kein Meistertitel holen. Die DA-Fraktion der DM-Teilnehmer erledigte die hier nötigen Tuning-Arbeiten oft selber, bei einem Büchsenmacher kann das schon ein paar hundert Mark kosten. Aber anders als die oft technisch versierten Siegertypen sollten sich Einsteiger jedoch hüten, hier selber Hand anzulegen, wollen sie wegen falsch justierter Rasten oder zu schwacher Federn keine Zündversager riskieren. Wem das Tuning zu teuer ist, der kann immer noch vorgespannt schießen.
Visierungen
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Hierbei darf man nicht geizen: Die Finalteilnehmer benutzten samt und sonders
schwarze, kontrastreiche Scheibenkorne, entweder gerade oder selbstabschattend
hinterschnitten. Rampen- und Schleppkorne sind mega-out, dies gilt insbesondere
für die Spielarten mit orangefarbenen Plastikeinsätzen: "1993
auf der ersten Deutschen brach ich das rote Teil noch während der Probe
heraus, mit der Zange", erinnert sich Walter Kroh. Was aufwendige (und
teure) Sport-Kimmen oder Visierschienen angeht, hielt sich dennoch gut die Hälfte
der Topschützen zurück. Neben kostspieligen Varianten von amerikanischen
Herstellern wie BoMar oder Aristocrat fand sich auch mehrmals die preiswerte
Millet-Kimme. Deren Höhen- und Seitenverstellung rastet exakter und bietet
ein etwas größeres Kimmenblatt als das kleine Mikrometer-Röllchen
von Smith & Wesson.
Was nicht heißt, daß das Springfielder Original-Visier nicht vertreten gewesen wäre, unter anderem an der Waffe von Hans-Jürgen Hartmann: "Ich schieße die Präzision Spiegel aufsitzend, stelle aber das Visier für die 20 Sekunden unter die Scheibe. Bei mir sind das zwei komplette Umdrehungen der Höhenstellschraube". Aber damit bildete er die Ausnahme, da ansonsten keiner der interviewten Sportler seine Zieleinrichtung für die schnellen Serien extra verstellte. Statt dessen suchen sie sich beim Zielen auf der komplett schwarzen 20-Sekunden-Scheibe einen Halteraum unter dem Scheibenzentrum. Tip von Walter Kroh: "Bei diesigem Schummerlicht sorgt eine gelbe Brille für guten Kontrast, bei grellem Sonnenschein schieße ich mit einer normalen Sonnenbrille."
Der Mindestimpuls (MIP)
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Für Gebrauchsrevolver und -Pistole fordert der DSB eine Mindestleistung
von Waffe und Munition, damit sich niemand mit rückstoßschwachen
Ultraleicht-Laborierungen einen unfairen Vorteil verschafft wie gesagt:
Es heißt Gebrauchswaffen. Bei den Mindestimpuls-Faktoren für Pistole
9 mm Luger (MIP: 250) und .45 ACP (MIP: 300) hat sich bislang auch noch niemand
beschwert. Anders sieht es bei den Faktoren für Magnum-Revolver aus: Den
450er MIP im Kaliber .44 Magnum überschreitet eine Ladung mit dem 240-grs-Standardgeschoß
bereits bei etwa 300 m/s problemlos.
Damit haben selbst 44er Revolver mit kurzem 102-mm-Lauf keine Schwierigkeiten, die üblichen Sechs-Zoll-Waffen (152 mm) erreichen mit Fabrikmunition im Schnitt etwa 360 m/s und Faktorwerte um 550. Viele 44er Schützen würden eine Anhebung des Faktors begrüßen. Aus ihrer Sicht verwässert der relativ niedrige MIP von 450 das Magnum-Schießen beträchtlich. Andere Finalisten wiederum äußerten sich zu dem niedrigen Wert hochzufrieden; nicht jeder kämpft eben gern mit dem Rückstoß von 1200-Joule-Laborierungen. Und sie verweisen darauf, daß im v0-Bereich unter 330 m/s auch preiswerte Bleigeschosse präzise genug schießen.
Schlimmer sieht es jedoch in der Klasse .357 Magnum aus. Hier ist der MIP mit 350 nicht zu niedrig angesetzt, sondern zu hoch. Auf der Deutschen Meisterschaft wurden gleich mehrere Schützen nach der Faktormessung disqualifiziert, einer sogar im Finale. Dabei handelte es sich nicht um freche Schummler, die mit als .357 Magnum verkleideten .38-Special-Laborierungen antraten. Als die DSB-Prüfer Waffen und Munition dieser Pechvögel kontrollierten, fehlten zum 350er MIP-Faktor vielleicht zehn, zwanzig Metersekunden.
Zu dem hohen Wert gesellt sich das Problem von "schnellen" und "langsamen" Revolvern. Hauptverantwortlich für v0-Differenzen von bis zu 50 m/s (bei gleicher Lauflänge) sind mehr oder weniger weite Trommelspalte. Aber auch die Durchmesser der Ausgänge der Trommelbohrungen beeinflussen die Mündungsgeschwindigkeit.
Was hier präzise Arbeit bedeutet, das zeigte ein VISIER-Test mit diversen Großkaliber-Sechsschüssern. Aus einem gebrauchten Korth-Revolver mit Sechs-Zoll-Lauf und einem 0,15 mm großen Trommelspalt kamen .357-Magnum-Fabrikpatronen alle über den Mindestimpuls. Ein fabrikneuer M 686 Target Champion (152-mm-Lauf, Trommelspaltwerte 0,15 bis 0,2 mm) aber legte im direkten Vergleich je nach Laborierung sogar fünf bis zehn m/s zu. Die dritte Testwaffe, ein gebrauchter M 586 mit gleicher Lauflänge und weitem 0,35-mm-Trommelspalt, schnitt schlechter ab: Seine v0-Werte sanken um 30 bis 50 m/s. In einem Test von 13 Revolvern .357 Magnum mit Vier-Zoll-Lauf (VISIER 2/2000) erreichte die 158-grs-Fabrikpatrone von Magtech je nach Waffe Durchschnittswerte zwischen 311 (MIP: 317) und 350 m/s (MIP: 357).
Fazit: Es kann nicht angehen, daß der MIP aus einer zugelassenen Waffe mit 102-mm-Lauflänge bei Verwendung von durchschnittlich starker Fabrik-Munition nur mit Ach und Krach erreicht wird. Wohlgemerkt, bei dem Vergleich schaffte auch nur der Taurus M 689 die 350 m/s, die Mehrzahl der Vierzöller lag bei rund 330 m/s. Dem DSB sei daher dringend angeraten, den Faktor für Gebrauchsrevolver .357 Magnum um 30 Faktorpunkte zu reduzieren!
"MIP 320" klingt zwar nicht so ordentlich wie 350. Dafür wären zumindest die Besitzer von gängigen Sechs-Zoll-Revolvern nicht mehr darauf angewiesen, bei Verwendung von Fabrikmunition jedesmal v0-Messungen durchzuführen. Der Aufwand ist unnötig groß, selbst wenn sich auf dem Schießstand ein Meßgerät befindet. Die Befürworter von Dienstrevolvern mit 102-mm-Rohren müßten freilich immer noch messen. Aber sie hätten mit starken Patronen wie den 158-grs-Teilmäntlern von Samson wenigstens die Chance, den MIP um eine Handvoll Reservepunkte zu überschreiten.
MIP-Munition
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Bis der Deutsche Schützenbund reagiert, können es die 357er Wiederlader
machen wie die Profis und auf schwere Geschosse umsteigen. Denn der MIP honoriert
nicht die Mündungsenergie, sondern den Mündungsimpuls. Und dessen
Berechnungsformel wiederum begünstigt schwere Projektile.
Wiederladen liegt sowieso voll im Trend; von den Final-Teilnehmern schoß lediglich Ralf Vanicek Fabrikpatronen (PMC .357 Magnum). Alle anderen stopften wiedergeladene Munition in die Trommelkammern ihrer Waffen, Alfred Buhlert gießt sogar seine eigenen Geschosse. Drei der fünf Finalisten verwendeten 180 grs schwere Kegelstumpf-Projektile: je einmal verkupfertes H & N High Speed, WM-Bullets-Blei und Eigenproduktion. Pulver? Hauptsache Vihtavuori (auch bekannt als Kemira), aber bei der Sorte war kein Spitzenreiter auszumachen. Die Topschützen verluden alles vom "schnellen" N 320 über "mittelschnelles" 3 N 37 bis zum "langsamen" N 110.
Es geht auch noch schwerer: VISIER schoß 357er Laborierungen aus einem S & W M 686 Target Champion auf MIP-Tauglichkeit und Präzision, wobei der Schwerpunkt bei Geschossen über 180 grs lag. Sehr gute Ergebnisse brachten sowohl das 180-grs-Kegelstumpf-Bleigeschoß von Jebens als auch das verkupferte Pendant von H & N. Als Geheimtip entpuppte sich aber Haendler & Natermanns verkupferte 200-grs-Rundkopfversion. Sie kostet nicht mehr als die 180-Grains-Spielart von H & N und benötigt noch weniger Pulver, um auf Faktor 350 zu kommen. Bei den Pulvern harmonierte es besonders mit Alliant Herco (kaum bekannt, trotzdem gut) und Vihtavuori N 105. Beide ließen sich problemlos verladen und brannten sauber ab, ohne Donner, Flammen und Pulverkrümel aus dem Trommelspalt zu spucken. Das kann bei "faulen" Stäbchenpulvern wie Vihtavuori N 110 oder Alliant 2400 schon zu einem Problem werden vor allem für die Standnachbarn.
Im Kaliber .44 Magnum benutzten gleich vier Finalisten das 240-grs-Teilmantelgeschoß von PMC. Markus Bartram und Frank Reiche setzten auf relativ moderate Chargen "echter" Magnumpulver wie Accurate No. 9 und Vihtavuori N 110, der Rest verwendete mittlere und schnelle Treibmittel wie N 320, N 340, 3 N 37 und Hodgdon Universal.
Training:
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In dem Punkt herrschte zwischen den Teilnehmern Einigkeit: "Übung
macht den Meister" oder "Üben, bis das Ärmchen abfällt".
.357-Magnum-Gewinner Thomas Boller beginnt bereits vier Wochen vor der DM mit
Intensiv-Training: "100 bis 150 Schuß, fünfmal die Woche. Das
Trainingsergebnis zählt nicht, ich schieße immer mindestens 50-Schuß-Gruppen,
da gibt es kein Ergebnis." Wem das extrem erscheint, keine Bange, Boller
startete auf der Deutschen gleich in sieben Disziplinen. Ein weiterer Tip kam
von Frank Reiche: "Nicht wenige schießen die 20 Sekunden-Serien viel
zu schnell. Ich versuche, die Zeit auszunutzen oder absichtlich zu überschreiten.
Im Training schadet es nicht, einen Schuß zu spät oder gar nicht
abzugeben, nur so kriegt man das richtige Zeitgefühl."
Laufgewichte:
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Kein Thema für die 357er Fraktion: Man beschied sich mit den rund 1300
g des standardmäßigen 686/586, der MR 73 wiegt gar nur 1050 g
dabei liegt das erlaubte Maximum bei 1500 g. Dagegen würden die 44er gerne,
können aber nicht, wie sie wollen. Wie auch? In .44 Magnum bleibt wegen
des DSB-Limits von 1600 Gramm Waffengewicht kaum Spielraum, womit ein Grund
für das Laufwechseln entfällt. Ein M 629 Classic mit 6-" oder
6,5"-Rohr wiegt ja schon etwa 1400 g.
Etwas geht aber immer: H.-J. Hartmann benutzte ein 60-g-Zusatzgewicht. Und
Andy Nehme IBS-44er fräst eigens Löcher in die Laufmäntel, damit
die Käufer etwas ab und zu geben können. Passende Gewichte baut Nehme
auch aus Aluminium.
Andreas Nehme baut für S & W-Revolver das IBS-Wechselsystem. Durch
IBS lassen sich nicht nur die Läufe austauschen, auch ein Kaliberwechsel
von .44 auf .357 ist mit wenigen Handgriffen möglich.